Facebook/ Hast du Lust ein Produkt zu sein? #3

Heute: Die Gedanken sind frei Zensur und Kontrolle

 

Es ging mir öfter so, dass ich erklären musste warum ich nicht auf Facebook bin oder das wenn ich gesagt habe, ich hab keine Facebook, aber schreib mir doch eine E-Mail dann hörte ich öfter einen „du bist also einer von denen“. Ich weiß nicht genau wer „die“ sind (aber es scheint wohl so sein). Gerät man in eine Argumentation, kann es nützlich sein die eigenen Standpunkte reflektiert und mit guten Argumenten unterfüttert zu haben. Genau das biete ich euch hier und wer weiß vielleicht gerät ja der Eine oder die Andere ins Grübeln ob ein Profil bei diesem (oder einem Vergleichbaren) Anbieter eine gute Idee ist.

[Willst du erst Teil 1 oder Teil 2 lesen? Folge den Links.]

 

Die Facebook-Revolution! Der ‚Nahe-Osten‘ ist frei, dank Facebook? Wirklich? Ist der Konzern ein Hort der Freiheit? Der zensurfreien Äußerungen?

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Photo by Guerretto

Tatsächlich hat das Netz seinen Teil zum arabischen Frühling beigetragen, besonders die Kommunikationsmöglichkeiten wurden reichhaltig genutzt, doch stellen beteiligte klar: „Es ist eine Revolution, es ist nicht die Twitter- oder Facebook-Revolution“ [Basem Fathy]. Auch Facebook wurde als Kommunikationsmedium genutzt, doch reicht allein Kommunikation für einen so weitreichenden Veränderungsprozess nicht aus. Besonders wichtige Faktoren waren nebem dem Medium Netz, auch das Fernsehen, das Verhalten der Armee und vor allem die vielen Menschen, welche den Mut hatten auf die Straße zu gehen und ihr Leben zu riskieren. Alles in allem ist der arabische Frühling wesentlich komplexer, als es die Reduzierung auf eine Internetrevolution erscheinen lässt [bpb; Politik-Digital].

Gut, nun hat Facebook vielleicht nicht die Schlüsselrolle bei der Verbreitung der Freiheit inne gehabt, aber das Unternehmen hat doch immerhin dazu beigetragen?

Ja, aber…

Aber, was?

 Das Problem hierbei ist, dass man sich auf das Wohlwollen, bzw. den guten Willen von Facebook verlassen muss. Man muss hoffen können, dass der Konzern immer auf der Seite der Freiheit und der Gerechtigkeit, dass Willkür nicht vorkommt, das nach humanen, statt nach Gewinnorientierten Werten gehandelt wird.

Dies ist nicht der Fall.

Verwendest du nicht deinen echten Namen, dann ist das nicht ok und du wirst gesperrt [gulli].

Wenn du dann auch noch zufällig den flaschen Namen hast, z.B. wenn du so heißt wie eine Berühmtheit, dann solltest du dich besser nicht zu sehr auf Facebook verlassen, sonst kann dein Leben sehr schnell, sehr kompliziert werden [telegraph].

Entsprichst du nicht du nicht der fragwürdigen Sexualmoral der Betreiber oder hast ’speziellen‘ Humor [Charles Arthur – The Guardian; Peter Glaser – Der Schwanz Hund, Futurzone] hast du ein Problem.

Wenn du mit Facebook als Nutzer unzufrieden bist, darfst du darüber schon ein Buch schreiben, wie z.B. Max Schrems, aber auf Facebook davon erzählen darfst du nicht [Elisabeth Pohl – netzpolitik.org].

Satire ist nicht lustig und wenn es um britische Jobcenter geht ist es Spam, der gesperrt werden muss [Tom Pride – Pride’s Purge].

Ebenso richtet sich das Unternehmen auch regelmäßig nach den Wünschen repressiver oder fragwürdiger Regierungen, wie z.B. im Fall von Pakistan [Jan-Peter Kleinhans netzpolitik.org], auch als liberaler in der Türkei, der sagt, dass Gerichte Recht sprechen [Chris Johnston – The Guardian]

Gelgentlich wird auch Menschenrechtgruppen das Wort aus dem Mund genommen, natürlich nur versehentlich [Josh Halliday – The Guradian].

Verlierst du das wohlwollen der Firma, kostet es Facebook höchstens ein Zucken des kleinen Fingers um all deine Inhalte verschwinden zu lassen, sie für alle anderen Nutzerinnen unsichtbar zu machen oder dich und deine Botschaften schlicht zu sperren/zensieren.

Lassen wir es zu, dass dieser Konzern seine marktbeherschende Stellung weiter ausbaut, indem wir unsere Inhalte nur auf diese zentralen (komfortablen) Plattform fokusieren, dann ergeben wir uns der Macht, der willkürtlichen Zensur durch Facebook, ausgesetzt zu sein.

Bleiben so viele Nutzerinnen und Nutzer weiter so fixiert auf diese Plattform, dann ist es mit unserer Freiheit nicht mehr weit her, außer wir haben Glück und die von uns gewünschte Freiheit passt Facebook gerade zufällig in den Kram, ansonsten haben wir Pech.

 

Zensur kann übrigens auch wesentlich perfider, z.B. durch die Manipulation des Streams stattfinden, aber dazu an einem anderen Punkt mehr.

 

Bleibt kritisch!

/Krutor

 

PS: Big thanks to Richard Stallman (https://stallman.org) for his work in collecting english sources about that topic 🙂

PP: Eigentlich sollte thematisch noch mehr rein in diesen Artikel, aber ist ja schon n ganz schönes Konzentrat geworden…

PPPS: Ich bin noch etwas unsicher wie ich in Blogform am besten mit Quellen umgehe, darum herrscht ein wenig durcheinander, dies wird aber im finalen Abschlussbericht (hoffentlich) vereinheitlicht sein.

PPPPS: Hast du Anmerlungen oder Kommentare? Lass welche da 🙂

PPPPPS: Wieviele PSs darf man eigentlich machen? 😛

Facebook/ Hast du Lust ein Produkt zu sein? #2

Heute: Alles ist gut! Schutzbehauptungen und tatsächliche Sicherheit

Es ging mir öfter so, dass ich erklären musste warum ich nicht auf Facebook bin oder das wenn ich gesagt habe, ich hab keine Facebook, aber schreib mir doch eine E-Mail dann hörte ich öfter einen „du bist also einer von denen“. Ich weiß nicht genau wer „die“ sind (aber es scheint wohl so sein). Gerät man in eine Argumentation, kann es nützlich sein die eigenen Standpunkte reflektiert und mit guten Argumenten unterfüttert zu haben. Genau das biete ich euch hier und wer weiß vielleicht gerät ja der Eine oder die Andere ins grübeln ob ein Profil bei diesem (oder Vergleichbaren) Anbieter eine gute Idee ist.

Durch die Menge an Nutzer_innen (von denen eine nicht ungeringe Zahl technisch eher unbedarft ist) die zentralisierte Struktur und die vielen verfügbaren privaten Informationen, erhöht sich die Anfälligkeit für Sicherheitslücken und Motivation für Angriffe quasi ständig von Selbst.

In einem spannend Kommentar setzte sich schon 2012 der Chefredakteur von heise security, Jürgen Schmidt, mit den Schutzversprechen des blauen Riesen auseinander und was man davon so alles halten kann (heise security). Ein Jahr später berichtete das Portal übrigens von einer Sicherheitslücke mit der Dritte, über Facebook, auf eure Webcams zugreifen konnten (heise security). Manchmal passieren auch nur Kleinigkeiten und 6.000.000 Nutzer_innen erhalten ausversehen Zugriff auf die kompletten, privaten Adressdaten ihrer „Freunde“ (Computerbase), Kommentar des Unternehmens war, dass diese ja ohnehin schon mit einander geteilt hätten.

Auch ist Facebook ein Phising Meer (Mimikama), über die Verbreitung von Inhalten auf der Plattform wird gelegentlich auch Schadsoftware übertragen (Mimikama). Die Zentralität macht das Portal auch interessant für Botnetzbetreiber (heise security), um neue Rechner zu infizieren (kurz: bei einem Botnetz fügt der eigene Computer unerkannte und ungewollte Befehle aus, die von dem Botnetzbetreiber_in an das System gesendet werden).

Jede Minuten wird der Zugang zu ~416 Konten von Kriminellen/Leuten mit vermutlich schlechten Absichten aufgebrochen (Mimikama), allgemein scheint einem der Zugang zu fremden Nutzerkonten nicht allzu schwer zu fallen (net-security). Hinweise zu Sicherheitslücken werden i.d.R. mit 500€ (manchmal auch mehr) vergütet, manchmal wird man aber auch einfach gesperrt (heise security).

 

Du bist ein Mensch, Denke!

/krutor

Facebook/ Hast du Lust ein Produkt zu sein? #1

Dieses Thema hat sich als sehr umfangreich herausgestellt, darum werde ich es in mehrere Teile aufteilen, bei finaler Fertigstellung aber einen Gesamtartikel zur Komplettübersicht anbieten.

Heute: Es ist ein voll nettes Angebot gewinnorientierter Konzern!

Wieso setzt man sich mit einem Phänomen auseinander, wenn es einen nicht direkt selbst betrifft?

Es kann sein, dass man selbst nicht direkt, aber indirekt davon betroffen ist oder das Phänomen eine solche Rolle in der Gesellschaft einnimmt, dass man sich so oder so damit auseinander setzen sollte.

Genauso ist es bei mir mit Facebook. Diesem Portal, auf dem ich nie angemeldet war und es nie sein werde, es aber irgendwie dann doch bin. Wer jetzt verwirrt ist, hat fürs erste genug Gründe um sich meinen kleinen Artikel bis zum Ende durch zu lesen.

Es ging mir öfter so, dass ich erklären musste warum ich nicht auf Facebook bin oder das wenn ich gesagt habe, ich hab keine Facebook, aber schreib mir doch eine E-Mail dann hörte ich öfter einen „du bist also einer von denen“. Ich weiß nicht genau wer „die“ sind (aber es scheint wohl so sein). Gerät man in eine Argumentation, kann es nützlich sein die eigenen Standpunkte reflektiert und mit guten Argumenten unterfüttert zu haben. Genau das biete ich euch hier und wer weiß vielleicht gerät ja der Eine oder die Andere ins grübeln ob ein Profil bei diesem (oder Vergleichbaren) Anbieter eine gute Idee ist.

Tatsächlich bietet der große blaue Riese eine Menge Angriffsfläche für gute Argumente, dort keine Daten zu hinterlassen.

Es gibt verschiedene Argumentationsansätze -welche ich hoffentlich nicht zu sehr durch einander bringe- die in ihrer Gesamtheit durchaus beeindruckend sein können.

 

Mit ~1,3 Mrd. aktiven Nutzer_innen pro Monat wird dir Präsenz des sozialen Netzes schnell klar, immerhin entspricht dies ungefähr 1/7 der Erdbevölkerung.

 

Wer deckt die laufenden Kosten für die Serverfarmen und wer bezahlt die Mitarbeiter_innen?

Als erstes ist Facebook ein Unternehmen, genauer gesagt sogar eine Aktiengesellschaft (Aktienkurs). Eine AG sollte Gewinn einfahren und erfolgreich (im Geld machen) sein, um die Aktionäre zufrieden zu stellen und eventuell Dividenden auszuzahlen.

Übrigens: Laut eigenen Angaben hat Facebook rund 9000 Mitarbeitende [Facebook], eine externe Quelle spricht hier von rund 4000 [statisticbrain] (wie die Differenz zustande kommt ist mir nicht ganz klar). Laut statisticbrain werden in 20 Minuten ungefähr 3 Mio. Nachrichten über Facebook verschickt, eine unglaubliche Menge an Daten und Informationen. Das diese für Unternehmen interessant sind ist bewiesen [gulli].

Man sollte sich die Frage stellen, wieso es sich hier um ein Milliardenkonzern handelt. Wer bezahlt diese Milliarden, bzw. wo kommen diese her?

Bist Du bei Facebook angemeldet, bist Du nicht der Kunde, Du bist das Produkt.

Ihr stellt einem Unternehmen kostenlos Daten und Informationen zur Verfügung, mit welchen dieses Umsatz generiert. Z.B. durch deren Auswertung für Werbung [Zeit] oder andere Dinge [Wall Street Journal]. Neben Zeitungen haben auch Blogger diese massive Ausspähung als Thema aufgeriffen und in einfachen Worten erklärt [hier bei twain auf OpenMinded].

Aber manchmal werden eure Daten, z.B. eure Bilder auch einfach direkt verkauft [DailyMail]

Facebook bietet seine Services nicht zum Selbstzweck, im Gegenteil das Anbieten dieser kostet viel Geld. Geld welches Facebook durch den Verkauf und die Auswertung eurer Daten wieder einspielt.

Steuern zahlt der Konzern übrigens auch nicht gern. [Guardian]

Durch die Datenanalyse sollen übrigens auch eure zukünftigen Bedürfnisse vorhergesagt werden, natürlich wenn möglich in der Form von Produkten, welche ihr dann kaufen könnt.

 

Du bist Mensch, also Denke!

/krutor

 

Nachtrag: In diesem Blogbeitrag wird die Frage aufgeworfen, ob man als Nutzer_in von Facebook nicht sogar eine Art Arbeiter_in für dieses Unternehmen ist. Eine interessante Perspektive, die man gut diskutieren kann. Danke an Wolfgang für den Hinweis und den Blogeintrag :] (mehr von ihm unter: http://wolfgangromey.de/blog/).